Donnerstag, 26. August 2010

Sonntag, 22. August 2010

Haarige Angelegenheit

Morgen ist es nach einer halben Ewigkeit endlich wieder so weit, es geht den Haaren an den Kragen.

Eine ganze Weile (für mich wirklich eine undenkbar lange, ganze Weile) war ich mit dem, was auf meinem Kopf so wächst, echt ganz zufrieden. Aber seit heute Mittag juckt es mich förmlich in den Fingerspitzen und jede Faser meines Körpers schreit nach Veränderung.

Mein Kleiderschrankinhalt war langweilig, meine Schuhe sind größtenteils langweilig und meine Frisur ist es leider auch. Lang, blond, nicht glatt und nicht gelockt. Ich habe einen verhältnismäßig kleinen Kopf und ein markantes Gesicht mit sehr ausgeprägten Wangenknochen- nicht einfach, ich weiß. Seit Jahren bin ich auf der Suche nach der einen, einzig wahren Frisur, habe alles mögliche an Schnitten und Farben ausprobiert, aber so richtig fündig geworden bin ich nie. Bei der Farbe wird nicht mehr experimentiert, aber der Schnitt, der ist wirklich ausbaufähig.

Nun grübel ich und grübel ich und grübel ich, hab mich durch Tausende von Frisuren geklickt und bin schrecklich unentschlossen, was es denn nun werden soll. Stufig, so viel steht fest, aber mit oder ohne Pony? Ja, mit oder ohne. Den Pony-Versuch hab ich schon ein paar Mal durch und nie, nie, nie ist es so geworden, wie ich es haben wollte. Vielleicht habe ich auch nur ständig Clooodias oder Heidi Klums Anlitz vor dem inneren Auge, wenn ich meine Pony-Pläne schmiede und der Blick in den Spiegel lässt mich *kawumms* wieder auf dem Boden der Tatsachen landen. Vielleicht aber ist´s auch nur der Schnitt, der nie der richtige war... Weiß man´s?

Jedenfalls ahne ich schon, dass ich morgen vehement nach einem Pony verlagen werde, mit der Inbrust, die man nur dann verspürt, wenn man Clooodias Anlitz vor dem inneren Auge trägt. Und spätestens übermorgen, am Morgen danach, wenn einen der Blick in den Spiegel wieder *kawumms* auf den harten Boden der Tatsachen landen lässt, werde ich wahrscheinlich verschämt nach ein paar Klämmerchen kramen und das Desaster größten Ausmaßes irgendwie zu verstecken suchen. Falls ich allerdings morgen tapfer und vernünftig sein sollte, laufe ich sicher die nächsten 6 Wochen mit dem Gedanken durch die Gegend, dass die eine, die einzig wahre Frisur, sicher die Variante mit Pony gewesen wäre.

Und was nun?

Arschlecken

Die wunder-,wunder-,wunderschönen Schuhe waren natürlich schon weg als ich endlich in die Stadt fahren konnte, um mir meinen Wunsch zu erfüllen. Na toll.

Mittwoch, 18. August 2010

Leben und so

Der neue Job vom Schatz läuft ganz gut an. Die Kollegen sind, soweit man das nach so kurzer Zeit beurteilen kann, sehr nett und er fühlt sich sehr wohl im Team. Bei uns zu Hause kehrt auch langsam wieder Alltag ein. Die guten Vorsätze, was Essens- und Haushaltsplan angeht, kann ich bis jetzt sehr gut umsetzen. Generell fühle ich mich längst nicht so erschöpft und unmotiviert wie vor dem Urlaub - alles geht etwas leichter von der Hand. Heute bin ich sogar freiwillig arbeiten gegangen um meiner lieben Kollegin einen freien Tag für einen kurzen Liebesurlaub zu beschaffen :-).


Ich habe, wie schon erwähnt, mal wieder meinen Kleiderschrank ausgemistet (diesmal so radikal wie nie zuvor) und fühle mich richtig befreit. 2 Altkleidersäcke habe ich gefüllt und einen riiiesen Wäschekorb voll guter Sachen, die ich gerade zu verkaufen versuche. Von dem Erlös werde ich mir ein paar wunderschöne und völlig unnütze Schuhe kaufen, die ich letzte Woche Freitag in der Stadt entdeckt habe. So ganz insgesamt fühlt sich das Leben gerade ziemlich gut an. Wahrscheinlich vollkommen normal eigentlich, aber für uns kein gewöhnlicher Zustand. Der arme Schatz erlebt gerade nach 3 Jahren die ersten Abende, an denen er nicht noch bis in die Nacht Überstunden machen muss und findet zu Hause eine nicht mehr chronisch unzufriedene Frau vor. So kann´s gerne erstmal für eine Weile bleiben. Besonders das (mittelmäßig-)lukrative Arbeitsangebot, dass mir der Premiumautomobilhersteller ab Januar nächsten Jahres in Aussicht gestellt hat, beschert mir eine unglaubliche innere Ruhe. Dieser hausgemachte Druck, dass doch endlich mal etwas aus mir werden muss, dass ich beruflich wieder was erreichen sollte und einen gesunden Ehrgeiz, auch ein bisschen Karriere zu machen, entwickeln könnte, der ist momentan komplett weg. Wenn alles so klappt wie geplant, habe ich ab Januar echt einen tollen Job, bei halbwegs angemessener Bezahlung, mit einem gut zu bewältigenden Zeitaufwand und einer Aufgabe, die ich hervorragend und ohne große Anstrengung schaffen kann.

Drückt ihr mir ein bisschen die Daumen, dass meine Seifenblase nicht platzt?

Montag, 16. August 2010

Von Schrankleichen und Neuanfängen

Das letzte Ferienwochenende zu dritt liegt hinter uns. Es war schön! Wir haben viel gefaulenzt, gelesen, gespielt, Besuch gehabt, Filme geschaut und gegessen. Fleißig war ich gestern auch, als der Muckel Spielbesuch hatte. Ich habe endlich meinen Kleiderschrank ausgemistet - ein Unterfangen, dass ich schon gut 2 Monate vor mir her schiebe- und was freu ich mich jetzt, dass ich wieder Ordnung habe und vor allem auch, dass ich nun wieder weiß, was ich alles habe. Da gab´s tatsächlich die ein oder andere Hose, deren Existenz ich völlig vergessen hatte und mein wunder-, wunder-, wunderschönes kleines Schwarzes ist auch wieder aufgetaucht. Damit haben sich zumindest die Sorgen, was ich zur Hochzeit des Cousins des Schatzes tragen soll, erübrigt.

Ja, der Schatz. Seit heute arbeitet er in der neuen Firma. Aufgeregt war er gestern Abend und auch noch heute früh waren ihm die "Sorgen", die Angst vor dem Neuen, dem unbekannten Terrain ins´s Gesicht geschrieben, auch wenn er sich das gar nicht anmerken lassen wollte. Mich hat das berührt, dieser zweifelnde und zugleich fragende Blick, ob wohl alles gut wird? Es wird alles gut, mein Herz.

Und nun genießen der Muckel und ich diese spezielle Ruhe, die es nur gibt, wenn nicht mehr als zwei Menschen im Haus sind. Mal sehen, was der Tag noch bringt. Mit ein wenig Durchhaltevermögen schaffe ich es, den riesen Berg an Kleidung zu bügeln, zu fotografieren und bei ebay einzustellen und mit ein wenig Glück kriegen wir meinen Bruder und meine Mama heute auch noch zu Gesicht.

Dienstag, 10. August 2010

Der erste Tag vom Rest unseres Lebens

Gestern hatte der Schatz seinen letzten Tag in der alten Firma, so wie es sich nach einem sehr unschönen, finalen Showdown ergeben hat und heute früh bekam er offiziell die Freistellung für die nächsten 4 Tage.

Endlich frei! Weg von dem ganzen Mist. Den vielen, vielen Überstunden, dem psychischen Druck, der unmenschlichen Verantwortung für eine einzelne Person bei nahezu ausbeuterischer Bezahlung. Uns ist ein riesen Stein vom Herzen gefallen und wir fühlen uns richtig befreit. Hier wohnt ein neuer Mann, einer, der zumindest wieder unbeschwert lächeln kann.

Heute Abend gibt´s ein Fläschchen rosé Sekt und ein paar Folgen Grey´s Anatomy zur Feier des neuen Lebensgefühls.

Montag, 9. August 2010

Zurück

..sind wir aus dem Urlaub.

Es war wunderschön und 2 Wochen waren genau richtig lang. Wetter, Land und Leute waren toll und wir werden ganz bestimmt wieder hinfliegen. Der Muckel hat sehr viel Spaß gehabt und ziemlich schnell Anschluss zu anderen Kindern gefunden (so ein Nintendo kann durchaus ein Sozialisierungsinstrument sein :-)) und wir haben wirklich gaaaaanz viel gefaulenzt, gelesen und gut gegessen. Wie wichtig die Auszeit/ Familienzeit war, wusste ich schon vorher, aber 14 Tage in einem Zimmer haben mich enorm in meinem Bauchgefühl bestätigt und mich ermutigt, meinen Plan was Arbeits- und Familienzeit anbelangt, in die Tat umzusetzen.

Schon vor dem Urlaub haben der Schatz und ich darüber gesprochen und jetzt ist es Zeit, das Ganze auch anzupacken. Wir haben gemerkt, dass es uns momentan im Alltag echt an Struktur fehlt, dass Aufgaben (Haushalt, Papierkram, Erledigungen, Termine etc.) nicht klar und gerecht verteilt sind. Der Schatz sieht sich quasi als Familienernährer, hat aber bisher nicht die "volle" Verantwortung dafür getragen, war anderseits aber nicht bereit berufliche Abstriche für die Familie zu machen. Ich war zwar "nur" 25-30 Stunden die Woche arbeiten, habe die Verantwortung für Haushalt, alle Belange des Muckels, den Papierkram, aber auch die Sorgen finanzieller Natur auf meine Schultern gepackt. Da ich mir die Arbeitsstunden selbst einteilen kann, habe ich eigentlich immer noch etwas über meine eigentliche Kapazität geackert, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte und meinte, mehr verdienen zu müssen.

Im Prinzip hänge ich, wenn man rein vom Verantwortungsgefühl ausgeht, in beiden Rollen fest. Der, der Hausfrau und Mutter, die einen hohen Anspruch an Qualitätszeit, Ernährung, Erziehung und Lebensqualität hat und der, des Familienernährers, der schuftet und sich verantwortlich für die finanzielle Sicherheit, den Lebensstandard und das Auskommen macht. Auf Dauer sehr unbefriedigent und kräftezehrend, vor allem, wenn man unbewusst versucht, den Partner, der seine Rolle ganz klar lebt, auch einen Teil der familiären Belange auf´s Auge zu drücken, aber bitte auch mit dem Anspruch, den man selbst auch an sich hat. Das führt zu Frust, zu einer Erwartungshaltung, die nie erfüllt werden kann und zu maßloser Erschöpfung.

Wir werden ab sofort wieder eine klassischere Rollenverteilung leben. Dieser ganze (Emanzipations-)druck, der Frauen nötigt, voll zu arbeiten, den Haushalt zu führen, die Kinder zu glücklichen, kompetenten Menschen zu erziehen, eine tolle Geliebte zu sein und gleichzeitig noch Freiz/h/eit zu genießen, auszugehen, Freundschaften zu pflegen, ist wie ein riesiger Rammbock im Rücken der Frau, die von einer Verantwortung in die nächste hetzt und sich inkompetent fühlt, wenn sie abends fertig mit den Nerven ist und merkt, dass sie viel gereizter und unausgeglichener ist als es sich für eine gute Mutter und Lebendgefährtin gehört. Versteht mich nicht falsch - Emanzipation ist toll, sie funktioniert aber nur, wenn sie von beiden Geschlechtern gelebt wird.

Ich würde behaupten, dass ich einen wirklich tollen, verständnisvollen und extrem bemühten Partner an meiner Seite haben, aber eben auch einen Mann, der trotz allem das klassiche Rollenbild des arbeitenden Familienvaters erfüllt. Der sicher sagen würde, dass er im Haushalt hilft und sich gut um seinen Sohn kümmert (was auch stimmt!), aber der zu allem angeleitet/gebeten werden muss, weil es nicht in seinen alltäglichen Tagesablauf gehört (bis auf Müll raustragen und Abwasch). Ich weiß, dass das durchaus auch meine Schuld ist, weil ich den Rest erledige. Und ja, ich gehöre auch zeitweise zu dieser schrecklichen Art von Frauen, die zwar alles schnell wegschaffen, nichts unerledigt lassen und sich dann im Nachhinein darüber mokieren, dass sie alles allein erledigen müssen und so viel zu tun haben. Aber das hört jetzt auf!

Ab heute wird alles anders. Mein Schatz ist jetzt verantwortlich für´s Kohle ranschaffen. Ich halte ihm dafür den Rücken frei, werde ihn bei Antritt des neuen Jobs so gut unterstützen wie ich nur kann. Ich werde maximal 25 Stunden in der Woche arbeiten und damit meinen Teil zum Einkommen beitragen, alles was darüber hinaus fehlt, soll nicht mehr meine Sorge sein. Denn ich habe andere "Sorgen", die sich außer mir niemand macht. Darüber hinaus werden wir wieder feste Paarzeit vereinbaren. Computer- und fernsehfreie Abende einführen, damit wir auch in dieser Hinsicht nicht mehr zu kurz kommen. Wir führen wieder ein Haushaltsbuch und ich werde für mich wieder Wochenpläne mit To Do´s, Essensplänen und evt. Putzplänen schreiben, damit ich mich besser koordinieren kann.

Klingt ziemlich viel, oder? Ist es auch. Aber wir haben es die letzten Wochen/ Monate aufgrund der untragbaren Arbeitssituation des Schatzes und meiner Rotation zwischen 3 Jobs und allem anderen, zu lange vor uns hergeschoben. Tschakka! Jetzt geht´s los!