Donnerstag, 3. Dezember 2009

Spannung im System

Wie musst du dich fühlen? Gefangen in deinem Automatismus, der dich zwingt dicht zu machen im Angesicht heftiger Emotionen. Das muss nichtmal Wut sein, da reicht auch Trauer und Verzweiflung.

Was passiert in deinem Kopf, in deinem Herzen, wenn du kalt wirst- wütend über meine Schwäche? Du magst es nicht, wenn ich nicht funktioniere. Das ängstigt dich, da bin ich sicher. Ich bin dein Fels in der Brandung und wenn die Wellen über mir zusammenschlagen und ich für kurze Zeit unter Wasser verschwinde, drohst auch du deinen Halt zu verlieren.

Wie soll ich das nicht persönlich nehmen, wenn ich alleine bleibe? Ungetröstet und von deinen Blicken getroffen, die mich anzuschreien scheinen und die Beherrrschung von mir verlangen, die Gefühle gefälligst unter Verschluss zu halten. Mit einer inneren Qual, die mir das leben, lieben und essen für eine Weile unmöglich macht. Zwei Kilo in drei Tagen. Ich werde weniger, bin gefangen in dem armen Körper, der sich gerade in einer Art Schockzustand befindet und sich nicht anders zu helfen weiß, als auszuhalten. Schockgefroren sind die Gliedmaßen, entkräftet und kalt. Kalt ist auch die Kralle, die um meinem Herzen liegt. Das ist nicht vorrangig die Enttäuschung über den geplatzen Traum und die fehlende Perspektive, da ist der Schmerz über die Demonstration deiner Unfähigkeit, mich zu fangen.

Ich bin zum Weinen unter die Dusche gegangen, damit du mich nicht hörst. Damit ich nicht schwach bin für dich. Habe das warme Wasser die Geborgenheit schenken lassen, die so bitter nötig war. Habe mir selbst gut zugeredet, dass es schon wieder wird. Habe mich alleine in den Schlaf beruhigt. Weißt du noch? Dieses alberne Spiel, wo sich der eine blind und rückwärts in die Leere fallen lassen soll, damit der andere ihn auffangen kann? Du bist jedes Mal entrüstet darüber, dass ich mich nicht fallen lassen kann.

Ich bin gefallen. Viele Male. Auch gestern. Und du hast mich nicht gefangen.

Und trotzdem bist du alles für mich. Der gütigste, beste, loyalste Mensch den ich auf diesem Planeten habe. Was hat man dir bloß angetan in den 20 Jahren, bevor ich dich getroffen habe? Wirst du mir irgendwann sagen können, warum du mich nicht aushälst, wenn ich traurig bin?

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