Dienstag, 6. Oktober 2009

Weltschmerz

Trifft mich oft ganz unvermittelt aber dafür mit voller Wucht und meist an den Tagen, an denen ich mit öffentlichen Verkerhrsmitteln unterwegs bin.

Wie traurig und resigniert so viele Menschen wirken. Wie vielen man begegnet, die einsam wirken oder sogar so als bräuchten sie Hilfe, ein offenes Ohr oder eine helfende Hand.

Die alte Dame, die kaum vorwärts kommt, weil ihr Rücken so krumm ist, dass sie ständig stehen bleiben muss, um nach dem Weg zu schauen. Der Obdachlose, der morgens um 9 Uhr im strömenden Regen sitzen bleibt, anstatt sich wenigstens unter das nächste Dach zu stellen und am Nachmittag noch genau an der gleichen Stelle hockt, wenn man von der Arbeit zurück kommt. Die junge Mutter in der Bahn, die so erschöpft und hilflos wirkt, weil das Baby weint und weint und weint, während sie in ihren Taschen kramt und locker zwei Hände mehr gebrauchen könnte. Jeder für sich wurschtelt sich irgendwie durch sein Leben, an allen anderen vorbei oder auch einfach nebenher und viele bleiben dabei einsam und manchmal hilflos. Dabei ist helfen doch manchmal so leicht.

Aber wie schwer ist es, diese innere Hürde zu überwinden und auf einen Fremden zuzugehen? Hilfe anzubieten. Die Sorge, ob der Obdachlose das vielleicht einfach nur megakacke findet oder sich sogar verhöhnt fühlt, wenn man ihm den eigenen Regenschirm anbietet, weil ein nicht vorhandener Regenschirm wohl echt sein kleinstes Problem ist. Ob die alte Dame sich vielleicht wie ein kleines Kind behandelt fühlt, weil sie findet, dass sie ganz prima alleine klarkommt, wenn man sie fragt, wo sie denn hin muss und ob man sie ein Stück des Weges begleiten soll? Oder ob die junge Mutter das vielleicht sogar anmaßend findet, wenn man sie fragt, ob man das weinende Kind kurz halten soll, weil sie schließlich auch sonst keinen Babyhalter hat und trotzdem zurecht kommt?

Warum ist es so selbstverständlich wegzusehen? Warum fühlt es sich so komisch an, wenn man versucht, es nicht zu tun? Erziehungssache? Die Akzeptanz der "schlechten Welt" in der es keine Tat ohne Eigennutz mehr gibt? Was ist es, dass die Menschen weg vom "wir" und hin zum "ich" treibt -sowohl die einen als auch die anderen- und das sogar wenn das "ich" für manche dann allein bedeutet. Warum fällt oft das Geben, aber auch das Annehmen so schwer? Ich schließe mich da keinesfalls aus.


Es mag sein, dass alles gar nicht sooo schlimm ist, wie es scheint. Es mag sein, dass viele von diesen Menschen auch in ein schönes Zuhause mit lieben Menschen kommen. Vielleicht sehe ich morgens in der Bahn genauso traurig aus? Vielleicht interpretiere ich vollkommen fehl.

Das sind trotzdem so die Tage, an denen ich einfach weinen möchte. An denn ich aber auch unglaublich dankbar bin. Dankbar für meine Familie. Danbar dafür, geliebt zu werden. Dankbar dafür, niemals mit meinen Sorgen und Nöten alleine zu sein.

1 Kommentar:

  1. So geht es mir auch manchmal. Geanu so.

    So oft denke ich daran und sooft traue ich mich auch nicht zu helfen, einfach zuzupacken ohne Nachzudenken.

    Und ich bin auch dankbar, sehr dankbar für alles was ich habe.

    Weltschmerz. Ja. Manchmal.

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